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Oregano-Analytik-PA-Belastung

Pyrrolizidinalkaloid-Gehalte in getrockneten und tiefgefrorenen Kräutern zu hoch

Bei Pyrrolizidinalkaloiden (PA) handelt es sich um sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die bisher in über 350 verschiedenen Blühpflanzen nachgewiesen wurden. Die PA werden von den Pflanzen als Schutz gegen Fraßfeinde gebildet. In der Natur kommen die PA überwiegend in den Pflanzengattungen der Boraginaceae, Asteraceae und Fabaceae vor.

In hohen Konzentrationen wirken die PA, insbesondere die 1,2-ungesättigten PA, hepatotoxisch und können zu akuten Leberschädigungen führen. Auch die Aufnahme von PA in geringeren Dosierungen über einen längeren Zeitraum kann mit einer Erhöhung des Krebsrisikos verbunden sein.

Da für genotoxisch-kanzerogene Substanzen keine sichere Aufnahmemenge definiert werden kann, sollten in Lebensmitteln so wenig wie möglich 1,2-ungesättigte PA enthalten sein (ALARA-Prinzip: as low as reasonably achievable).

 

Gegenwärtig existiert kein Höchstgehalt für PA in Lebensmitteln.

 

Von der EFSA wurde 2011 entsprechend dem Margin of Exposure (MoE)-Ansatz ein Referenzwert für eine noch tolerierbare tägliche Maximalaufnahme von 0,007 µg/kg Körpergewicht festgelegt. Dieser Wert wurde von der EFSA in 2016 auf 0,024 µg/kg Körpergewicht angehoben. Darüber hinaus zieht die EFSA zur Bewertung der chronischen Toxizität den auf der Basis des No-Observed-Adverse-Effect-Levels (NOAEL) abgeleiteten Health Based Guidance Value (HBGV) von 0,1 µg/kg Körpergewicht/Tag heran.

In der Vergangenheit standen auf Grund erhöhter PA-Gehalte vorwiegend Honig, Tees und Kräutertees im Fokus der Medien.

Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass neben diesen Erzeugnissen auch getrocknete und tiefgefrorene Kräuter hohe Gehalte an PA aufweisen und die toxikolgischen Grenzwerte deutlich überschreiten. Besonders hohe Gehalte wurden in getrocknetem Oregano nachgewiesen. Das BfR geht in einer Stellungnahme vom 13.5.2019 auf diese Problematik ein und hat darin u.a. einige Ergebnisse zu PA Gehalten in getrockneten Kräutern aufgeführt.

 

In der Zeitschrift Stiftung Warentest, Ausgabe 09/2019 wird in einem Kurzartikel „Zerkleinerte Kräuter teils gesundheitsschädlich“ ebenfalls auf diese Thematik eingegangen. Dabei zitiert die Redaktion Untersuchungen der CVUA Stuttgart.  Im Rahmen der Untersuchung von 41 Oregano-Proben (gerebelt) wurden mehr als 2/3 als nicht sicheres Lebensmittel bewertet.  Neun Proben wurden auf Grund extrem hoher PA – Gehalte als „gesundheitsschädlich beurteilt“.

Eigene Untersuchungen seit Juli 2018 (Tab. 1) bestätigen die oben geschilderte Problematik. Auch in unseren Untersuchungen weisen die Oregano–Proben die mit Abstand höchsten Gehalte auf.

 

Tabelle 1: PA – Gehalte in verschiedenen getrockneten Kräutern

Matrix Anzahl Proben Gehalte [µg/kg] Überschreitung BMDL Überschreitung HBGV
Oregano 50 4,4 – 11649 23 8
Rosmarin 8 n.n. – 2,2 0 0
Basilikum 8 n.n. 0 0
Fenchelsamen 14 127,3 – 523,6 14 2
Petersilie 5 n.n. 0 0
Schnittlauch 6 76,2 – 296,1 0 0
Kümmel 7 3,3 – 5,6 0 0
Majoran 6 n.n. – 83,3 0 0
Dill 6 19,7 – 315,6 1 0
Cumin 3 642 – 1317 0 0
sonstige Kräuter und Kräutermischungen 15 2,9 – 562,9 1 0
Gewürze und Gewürzmischungen 7 770,4 – 1371,9 2 1

 

 

Die Analytik der PA erfolgt nach Extraktion und Aufreinigung über eine Festphase (SPE) mittel LC-MS/MS.

Abbildung 1: Mit PA – Standard – Mix dotierte Oregano-Probe (Quelle: Partnerlabor QSI)

 

 

Abbildung 2: Oregano-Probe mit hohem Gehalt an Europin N -oxid (Quelle: Partnerlabor QSI)

 

Da getrocknete Kräuter auf Grund der teils sehr hohen PA-Gehalte als nicht sicheres Lebensmittel zu bewerten sind, sollten diese Erzeugnisse im Hinblick auf die Eigenkontrollmaßnahmen entlang der gesamten Lieferkette besonders im Fokus stehen.

In diesem Zusammenhang ist auch davon auszugehen, dass sowohl die amtliche Überwachung als auch die Verbraucherschutzverbände zukünftig verstärkt ihr Augenmerk auf diese Problematik richten werden.

 

 

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